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Mentale Misere
Müde Ulmer haben Hagener Offensivfeuerwerk nichts entgegenzusetzen und verlieren mit 78:90 (36:49). Schlussspurt im vierten Viertel kommt zu spät.
Fast hätte sich ratiopharm ulm im Schlussviertel mit einer famosen Aufholjagd doch noch den 15. Saisonerfolg gesichert. Doch näher als das 74:79, das John Bryant in der 37. Minute erzielte, kam der Vizemeister nicht mehr heran. „Die Hypothek war letztlich zu groß“, so Leibenath zum verpassten Schlussspurt. „Doch daran lag es nicht“, erklärt der verärgerte Trainer weiter. „In der Bundesliga musst du in jedem Spiel alles geben. Sich auf das Talentlevel zu verlassen, reicht nicht. Das ist ein mentales Problem von uns“, kritisiert der Ulmer Head Coach.
Mit insgesamt 17 Offensivrebounds konnte Phoenix Hagen das Reboundduell klar für sich entscheiden (47:37). Ohne den grippekranken Sebastian Betz und den an der Bandscheibe operierten Dane Watts, fehlte den Ulmern die nötige Energie, um ein schon verloren geglaubtes Spiel (51:72, 28. Minute) doch noch zu drehen. „Mit Dane und Basti haben uns die auf ihren Positionen besten Rebounder gefehlt – das hat uns wehgetan, darf aber keine Entschuldigung sein“, analysiert Leibenath.
Fast zwei Minuten vergingen, ehe John Bryant die ersten Ulmer Punkte aus der Halbdistanz erzielte (2:4, 2. Min.). Ein Dunking von Keaton Nankivil nach einem Offensivrebound kurz darauf hätte als Ausrufezeichen für die Ulmer Ankunft in der ausverkauften Enervie Arena getaugt. Doch die Hagener Offensivmaschinerie lief einfach runder (4:7 und 6:12, 6.). Nicht zuträglich für den Ulmer Start war die Tatsache, dass John Bryant schon in der 6. Minute sein zweites persönliches Foul aufgebrummt bekam. Während der Ulmer Offensive im ersten Viertel nicht viel gelang (14 Zähler), hatte der beste Angriff der Liga bereits 26 Punkte aufgelegt.
Und der Hagener Express rollte auch im zweiten Viertel weiter. Mit 30:14 hatte Adam Hess sein Team nach 12 Minuten in Führung gebracht, ehe Devin White den dritten Hagener Dreier zum 33:14 im Korb unterbrachte. Besonders schmerzhaft für ratiopharm ulm zu diesem Zeitpunkt: Die 5 Offensivrebounds, die sich die Gastgeber schon gesichert hatten. Erst jetzt fanden die Ulmer besser ins Spiel. Unterstütz von Kay Gausa, der den erkrankten Betz vertrat, gelangen ein Ballgewinn, ein Offensivrebound und das 21:35 (14.). Doch Hagen konterte postwendend mit einem weiteren Dreier. Zwei Dreier von Esterkamp brachten die Gäste aber enggültig in Schlagdistanz (27:38, 16.). Ein Offensivrebound plus zwei Punkte nach vergebenem Freiwurf (30:42, 17.) machten allerdings die Ulmer Schwachstelle deutlich und zwangen Leibenath zu einer Auszeit. Dass der Kampf allein nicht reichte, offenbarte sich kurz vor der Halbzeit: Erst blockte Allan Ray einen Korbleger des Hageners David Bell, dann sicherte sich Esterkamp in der Offensive einen Rebound und punktete zum 36:44 – ehe Adam Hess ganz trocken mit einem Dreier antwortete (36:47).
Die zweite Halbzeit begannen beide Teams beim Stand von 36:49, doch ehe die Ulmer sich versahen, hatten die Gastgeber vier weitere Punkte zwischen sich und den Vizemeister (52:26, 21.) gebracht. In der 23. Minute unterlief Per Günther dann der 7. Ulmer Ballverlust, den Hagen zur 57:40-Führung nützte. Und wie schwer es war, den Westfalen an diesem Abend beizukommen, zeigte eine Sequenz, die weniger als 60 Sekunden dauerte. Erst brachte Ray sein Team mit einem Dreier auf 45:57 heran, dann konterte Dino Gregory (45:59), ehe Daniel Theis ein Dunking zum 47:59 gelang, den wiederum Bell per Dreier (47:62) beantwortete. Was ratiopharm ulm auch versuchte, Phoenix Hagen war immer einen Tick schneller und beendete das 3. Viertel mit einer komfortablen 76:60-Führung.
Im Schlussviertel warfen die Ulmer dann noch einmal alles in die Waagschale: Mit fünf Punkten in Folge verkürzte Lance Jeter auf 65:78 (33.). Ein Dreier von Nankivil reduzierte den Rückstand auf 11 (68:79). Vier Punkte in Folge durch den Kapitän (70:79) krönten einen Ulmer 12:2-Lauf. Und es ging noch weiter: Als Bryant zum 74:79 traf, waren noch knapp vier Minuten zu spielen. Doch die Schlussoffensive kam zu spät – bzw. fiel zu kurz aus. Drei vergebene Ulmer Dreier und ein verpasste Korbleger ließen die Hagener wieder das Kommando übernehmen und das Spiel letztlich souverän mit 90:78 beenden.
Für ratiopharm ulm spielten:
Günther (15, 8 Assists), Theis (8, 6 Reb.), Ray (11), Esterkamp (20), Schwethelm (4), Jeter (8), Nankivil (6, 7 Reb.), Bryant (6, 10 Reb.)
Fotos: www.joerglaube.de
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